Selbsthilfe Epilepsie Kärnten

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Frauen und Epilepsie

Die Behandlung und Betreuung von Frauen mit Epilepsie stellt besondere Anforderungen an den Arzt/Ärztin, weil hormonelle Faktoren die Epilepsie beeinflussen können und weil es zahlreiche Wechselwirkungen zwischen Hormonen und antikonvulsiven Medikamenten (Antibabypille) gibt. Auch die Schwangerschaft sollte trotz Epilepsie problemlos verlaufen.

Manchen Frauen fällt auf, dass die Häufigkeit der Anfälle mit ihrer Periode zusammenhängt. Es ist noch nicht geklärt warum dies so ist, neben dem Einfluß der weiblichen Geschlechtshormone werden Flüssigkeitsverschiebungen im Körper beschrieben.

Bekannt ist auch, dass Menarche und Menopause Zeitpunkte im Leben von Frauen sind, an denen sich eine Epilepsie häufig erstmals manifestieren oder verändern kann.

Von einer katamenialen Epilepsie spricht man erst, wenn mindestens 75% aller Anfälle einer Frau im Zeitraum von 4Tagen vor Beginn der Periodenblutung bis 10 Tage danach auftreten.

Die Antibabypille hat keinen Einfluß auf die Häufigkeit und Schwere epileptischer Anfälle. Allerdings kann die Antibabypille zu Blutspiegelschwankungen und damit auch zum Nachlassen der Wirkung bei manchen
Antiepileptika, vor allem Lamotrigin kommen.

Allerdings kommt es bei den meisten Antiepileptika zur Störung der Wirksamkeit von Antibabypillen. Diese sind meist niederdosierte Minipillen, die zu einer besseren Verträglichkeit führen, aber in Kombination mit manchen Antiepileptika nicht ausreichend sicher wirken. Oft hilft der Wechsel zu einer Pille mit höherem Hormongehalt (v.a. Gestagene) oder der Wechsel zu anderen Verhütungsmethoden. Sowohl bei der Dreimonatspritze, wie auch bei eingepflanzten Hormonstäbchen kann es zu Wechselwirkungen kommen.

Wegen der besonderen Bedeutung der Wechselwirkungen sollte das Thema Verhütung schon bei der Erstdiagnose sensibel besprochen werden, v.a. aber bei jungen Mädchen vor Beginn der ersten Regelblutung.

Die Fruchtbarkeit (Fertilität) von Frauen mit Epilepsie ist zwar ebenso wie die Zeugungsfähigkeit des etwas herabgesetzt.

Eine Schwangerschaft verläuft bei den meisten Frauen mit Epilepsie weitgehend problemlos. Ein bestehender Kinderwunsch sollte
möglichst frühzeitig mit dem behandelnden Gynäkologen und Neurologen besprochen werden, damit sichergestellt ist, dass alle notwendigen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt und eine richtige Auswahl und Dosierung der zur Behandlung eingesetzten Medikamente berücksichtigt werden.

Fast alle Antiepileptika, insbesonders die älteren Wirkstoffe (z.B. Carbamazepin, Valproat, …) führen zu einer Abnahme des sexuellen Verlangens, aber auch die Erregungsfähigkeit und der Orgasmus können betroffen sein. Einige Medikamente haben als zusätzliche Nebenwirkung eine vermehrte Müdigkeit, was Probleme bei abendlichen Verabredungen oder Aktivitäten machen kann. Auch Hautveränderungen und vor allem massive Gewichtszunahme sind neben hormonellen Störungen (z.B. Zyklusunregelmäßigkeiten) oft problematisch und verringern die sexuelle Aktivität.

Das wichtigste bei sexuellen Problemen ist, darüber zu sprechen. Zumindest beim Hausarzt, behandelnden Neurologen oder Gynäkologen sollte man Gesprächsbereitschaft vorfinden, da es vielen noch immer unangenehm ist dieses Thema anzusprechen. Oft hilft eine Dosisänderung oder eine Medikamentenumstellung schafft Besserung. Für manche körperlichen Probleme im Bereich der Sexualität gibt es wirksame Behandlungsmethoden, auch kann eine psychotherapeutische Begleitung bzw. eine Paartherapie sinnvoll sein.

weiterführende Links zu diesem Thema:
EPIVISTA http://www.epivista.de (Kontrazeption)
Schweizerische Epilepsie-Stiftung – (Dr. Günter Krämer, Kinderwunsch und Epilepsie, Frauen und Epilepsie) http://www.swissepi.ch
deutsche Epilepsievereinigung